Dorf

Dorf
Dorf Sn "Gehöft, bebautes (und umzäuntes) Land" std. (8. Jh.), mhd. dor, ahd. dorf, thorf, as. thorp. Aus g. * þurpa- n. (< [ig.] tṛəb-) "Dorf, Gehöft, bebautes Land", auch in gt. þaurp "bebautes Land, Acker", anord. þorp "Dorf, Garten", ae. þorp, þrop m. "Dorf", afr. thorp, therp "Dorf". Semantisch vergleichbar sind im Keltischen mir. treb f., kymr. tre(f) "Haus, Dorf, Anwesen" (denominativ mir. trebaid "pflügt, bebaut, bewohnt"; ferner air. díthrub, kymr. didref " * Un-dorf" = "Wildnis") aus [ig.] * treb-; osk. trííbúm "Haus" aus * trēb- und lit. trobà f. "Haus, Gebäude" aus * trāb-; morphologisch ferner steht gr. téramna Pl. "Haus", falls aus * terəb-no- (evtl. abzutrennendes Substratwort). Diese Bedeutungen können angeschlossen werden an kslav. trěbiti "reinigen, roden" (vgl. russ. téreb "gerodete Stelle", terebítĭ "roden, reinigen"), so daß für die Substantive von "Rodung" auszugehen ist. Die heute übliche Bedeutung "Ansammlung von zusammengehörigen Gehöften" entwickelte sich offenbar in neuen Siedlungsgebieten, in denen die Wohnstätten aus Sicherheitsgründen mehrere Einheiten umfaßten. Die Ablautverhältnisse in der Wortsippe bleiben erklärungsbedürftig. - Der übliche Anschluß von l. trabs f. "Baumstamm, Balken usw." ließe sich gegebenenfalls durch eine Bedeutungsherleitung aus "das Ausgerodete" oder "das (von Ästen, Rinde usw.) Gereinigte" vertreten; die Grundbedeutung ("Balken" > "Blockhaus" > "Dorf" usw.) ist in diesem Wort sicher nicht zu suchen. - Offenbar von einer Bedeutung wie "Versammlungsort" oder "Pferch" ausgehend, zeigt sich bei dieser Wortsippe im Germanischen auch die Bedeutung "Menschenmenge, Herde", so in anord. þorp, nnorw. torp und latinisiert (Lex Alemannica) troppo, das frz. troupeau m. und frz. troupe f. ergibt (Trupp). Sowohl der Anschluß an Dorf wie auch der Zusammenhang mit den französischen Wörtern ist aber umstritten (die konkurrierende Etymologie zieht l. turba "Verwirrung, Menge" heran. Adjektiv: dörflich.
   Ebenso nndl. dorp, ne. (vor allem in Ortsnamen) thorp.
Foerste, W. SG 16 (1963), 422-433;
Bursch (1978), 235-239 (gegen den Anschluß der romanischen Wörter);
Schützeichel, R. AAWG phil.-hist. III, 109 (1981), 9-36;
RGA 6 (1986), 82-114;
LM 3 (1986), 1266-1312;
Röhrich 1 (1991), 326f. gemeingermanisch

Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache. 2013.

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